{"id":9682,"date":"2026-08-25T09:00:58","date_gmt":"2026-08-25T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/marclepetit.com\/?p=9682"},"modified":"2026-08-25T09:04:34","modified_gmt":"2026-08-25T09:04:34","slug":"lebenszeit-der-warum-der-abspann-vielleicht-gar-nicht-mehr-das-ende-unserer-arbeit-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/lebenszeit-der-warum-der-abspann-vielleicht-gar-nicht-mehr-das-ende-unserer-arbeit-ist\/","title":{"rendered":"Lifetime \u2014 or: Why the Credits Might Not Be the End of Our Work After All"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"461\" src=\"https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-1024x461.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9683\" style=\"aspect-ratio:2.2213000339532956;width:693px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-1024x461.jpeg 1024w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-300x135.jpeg 300w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-768x346.jpeg 768w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-1536x691.jpeg 1536w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-18x8.jpeg 18w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33-421x189.jpeg 421w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-25-at-10.41.33.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I was standing in Beijing in July, in temperatures of around 35 degrees and humidity so high that, as a Central European, all you can really think about is which air-conditioned space to head for next. All around me were people in black robes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harry Potter. Female Harry Potters. A great many of them.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">At Universal Beijing Resort, they were waiting to have their picture taken in front of the Hogwarts Express. Black robe. Wand. 35 degrees. At first, I smiled at the sight. Then I stopped laughing fairly quickly. Because at some point I thought: As a producer, there is hardly anything more you can achieve.<strong>igentlich kann man als Produzent kaum mehr erreichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">For decades, we have been fighting to get people to spend time with our stories. We discuss market shares, ratings, streams, views, completion rates and, by now, whether the first three seconds of a video are exciting enough. And there are people standing around, sweating voluntarily in black robes because they want to be part of a story for a few hours. Perhaps, when we talk about IP, we are talking about the wrong thing.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">We discuss content, productions, budgets and Heads of Department, indulging our own vanities and those of others. But perhaps we should talk more about lifetime.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>After all, lifetime is humanity's most valuable currency. And it has a rather inconvenient characteristic: it cannot be scaled.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">By now, we can produce virtually unlimited amounts of content. Distribution is no longer a bottleneck anyway. Streaming, YouTube, TikTok, Instagram, podcasts, games, creators, broadcasters and media libraries are all competing for the same 24 hours. AI will increase the supply even further because production is becoming faster and cheaper.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">But people do not get a 25th hour.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Zahl taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf: mehr als elf Stunden Mediennutzung t\u00e4glich in den USA. Sie stammt unter anderem aus dem Nielsen Total Audience Report und wurde bereits 2018 erhoben. Nielsen sprach damals von mehr als elf Stunden t\u00e4glicher Interaktion mit Medien. Wichtig dabei: Das sind keine elf sauber nacheinander konsumierten Stunden. Medien laufen parallel. Smartphone beim Fernsehen. Audio w\u00e4hrend der Arbeit. Second Screen zum First Screen. Aus Produzentensicht k\u00f6nnte man sagen: hervorragend. Mehr Medienzeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin mir da nicht mehr so sicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht haben wir die Grenze dessen, was wir an zus\u00e4tzlicher Bildschirmzeit gewinnen k\u00f6nnen, irgendwann ziemlich gut ausgereizt. Vielleicht ist die interessantere Frage inzwischen nicht mehr, wie wir noch zehn Minuten zus\u00e4tzlich bekommen. Sondern was eine Stunde mit unserer Geschichte eigentlich wert ist. Und dann wird &#8211; ausgerechnet &#8211; die reale Welt wieder interessant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Abspann f\u00e4ngt das Gesch\u00e4ft vielleicht erst an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Location Based Entertainment, immersive Shows, Freizeitparks, Ausstellungen, Pop-ups, Theater, Live Entertainment. Das klingt ein bisschen nach der Nebenverwertung, \u00fcber die man irgendwann spricht, wenn Film oder Serie erfolgreich waren. Vielleicht ist genau das der Fehler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">McKinsey hat Anfang 2026 einen ziemlich bemerkenswerten Text \u00fcber Location Based Entertainment ver\u00f6ffentlicht. Die Unternehmensberatung sieht gerade kleinere, regionale und tempor\u00e4re Experiences als Wachstumsfeld f\u00fcr Marken und IP-Inhaber. Gen Z besucht immersive Experiences laut deren Untersuchung 1,5-mal h\u00e4ufiger als die Gesamtbev\u00f6lkerung und viermal h\u00e4ufiger als \u00e4ltere Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Marktprognosen sind beachtlich, wobei man solche Prognosen immer mit Vorsicht genie\u00dfen sollte. Grand View Research beziffert den weltweiten Markt f\u00fcr Location Based Entertainment 2025 auf 7,4 Milliarden Dollar und erwartet bis 2033 49,2 Milliarden. Das w\u00e4re ein j\u00e4hrliches Wachstum von gut 26 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum? Vielleicht auch, weil wir irgendwann genug Bildschirm haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eventbrite nennt einen seiner Trends f\u00fcr 2026 \u201eReset to Real\u201c. 79 Prozent der dort befragten 18- bis 35-J\u00e4hrigen wollen 2026 mehr Veranstaltungen besuchen. Gesucht werden laut der Untersuchung gerade Erlebnisse, die nicht perfekt wiederholbar und durchchoreografiert sind, sondern Begegnung und Beteiligung erm\u00f6glichen. Eventbrite verdient sein Geld mit Events, ist also keine neutrale wissenschaftliche Instanz. Aber ich finde die Beschreibung trotzdem ziemlich treffend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reset to real.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht standen deshalb die Menschen in Beijing nicht trotz unserer vollkommen digitalisierten Medienwelt in ihren Hogwarts-Umh\u00e4ngen herum. Vielleicht standen sie auch ein bisschen wegen ihr dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir produzieren Geschichten. Andere bauen Welten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Harry Potter ist nat\u00fcrlich das denkbar unfairste Beispiel. Eine der gr\u00f6\u00dften Entertainment-IPs der Welt, Warner Bros., Universal, Investitionen in Milliardenh\u00f6he. Daraus eine Lektion f\u00fcr einen deutschen Produzenten abzuleiten w\u00e4re ungef\u00e4hr so hilfreich, wie einem mittelst\u00e4ndischen Maschinenbauer zu empfehlen, doch einfach Apple zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant wird es deshalb eine Nummer kleiner. Und pl\u00f6tzlich landen wir bei einer kleinen Geschichte, an der ich selbst beteiligt war. Mal wieder &#8211; Ku\u2019damm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wir Ku\u2019damm f\u00fcr das ZDF gemacht haben, haben wir zun\u00e4chst einmal Fernsehen gemacht. Eine Geschichte, Figuren, eine Welt. Sp\u00e4ter wurde daraus gemeinsam mit BMG, Annette Hess, Peter Plate und Ulf Leo Sommer ein Musical. Das war keine automatische Verl\u00e4ngerung eines Fernseherfolgs. Da mussten unterschiedliche Partner, Rechte, Kreative und Interessen zusammenkommen. In meiner eigenen beruflichen R\u00fcckschau beschreibe ich genau diesen Weg vom Fernsehstoff auf die B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit passiert etwas Merkw\u00fcrdiges mit einer Fernseh-IP. Menschen schauen sie nicht mehr nur auf dem Endger\u00e4t. Sie fahren irgendwo hin. Sie kaufen ein Ticket. Sie sitzen mit anderen Menschen in einem Raum. Sie verbringen einen Abend mit dieser Geschichte. Vielleicht gehen sie vorher essen. Vielleicht danach etwas trinken. Menschen arbeiten im Theater, auf der B\u00fchne, in der Technik, an der Bar, im Marketing, an der Kasse. Pl\u00f6tzlich erzeugt eine Geschichte Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Bewegung erzeugt Wirtschaft. Wir finanzieren Werke. Andere finanzieren Welten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant finde ich deshalb gerade Michael Mack. Denn bei ihm l\u00e4uft die Denkrichtung fast umgekehrt. Ed und Edda waren zuerst Figuren des Europa-Park. Dann wurde daraus mit \u201eGrand Prix of Europe\u201c ein 90-min\u00fctiger Kinofilm, produziert von Michael Mack und MACK Magic in Koproduktion mit Warner Bros. Film Productions Germany. Gleichzeitig entstand im Europa-Park \u201eGrand Prix EDventure\u201c, ein interaktiver 3D-Darkride. Dazu kamen ein Videospiel, VR, Eisshow und Lizenzprodukte. Der Film selbst erreichte laut MACK bis November 2025 mehr als zwei Millionen Kinobesucher in 52 L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das finde ich bemerkenswert. Der klassische Filmproduzent entwickelt einen Film und fragt nach einem Erfolg irgendwann: Was k\u00f6nnen wir daraus noch machen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mack besitzt eine Welt und kann fragen: Wo findet diese Welt als N\u00e4chstes statt? Im Park. Im Kino. Im Game. Als VR-Erlebnis. Auf Produkten. Und dann wieder im Park. Das ist eine komplett andere Architektur von IP.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2025 kamen erstmals mehr als sieben Millionen Menschen ins Europa-Park Erlebnis-Resort. Nat\u00fcrlich nicht wegen Ed und Edda allein. Das zu behaupten w\u00e4re Unsinn. Aber es zeigt die Gr\u00f6\u00dfenordnung einer Entertainment-\u00d6konomie, bei der Geschichten nicht ausschlie\u00dflich dazu dienen, Menschen vor einen Bildschirm zu bekommen. Und daf\u00fcr braucht man nicht einmal einen Freizeitpark.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das finde ich fast noch spannender.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mir in Shanghai und Shenzhen diverse immersive Theaterst\u00fccke und Escape Rooms angeschaut. In Berlin kann ich derzeit beispielsweise \u201eThe Jury Experience\u201c besuchen. Ein immersives Gerichtsdrama. Das Publikum sitzt nicht einfach im Theater und schaut anderen beim Spielen zu, sondern wird selbst zur Jury. Die Geschichte verlangt eine Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gesch\u00e4ftsmodell dahinter ist im Vergleich zu einem Freizeitpark geradezu niedlich klein. Eine Location. Darsteller. Technik. Dramaturgie. Marketing. Ticketing. Aber das Prinzip ist dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bezahle nicht nur daf\u00fcr, eine Geschichte zu sehen. Ich bezahle daf\u00fcr, darin vorzukommen. Und pl\u00f6tzlich wird aus Storytelling etwas anderes. Die Geschichte braucht einen Ort. Der Ort braucht Menschen. Die Menschen brauchen andere Menschen, die diesen Ort betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit entstehen Arbeitspl\u00e4tze, die eine zus\u00e4tzliche Streamingfolge niemals erzeugt h\u00e4tte. Was eine Geschichte nach ihrem Ende noch wert ist, l\u00e4sst sich inzwischen auch wirtschaftlich messen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Warner Bros. Studio Tour London ist daf\u00fcr ein ziemlich klares Beispiel. 28 Prozent der Besucher kamen 2019 aus dem Ausland. In einer \u00f6konomischen Wirkungsanalyse wurden f\u00fcr die Studio Tour 424 direkte Besch\u00e4ftigte ausgewiesen. Einschlie\u00dflich indirekter und induzierter Effekte errechnete die Untersuchung f\u00fcr die lokale Wirtschaft 605 Vollzeit\u00e4quivalente und 75,2 Millionen Pfund zus\u00e4tzliche Bruttowertsch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch extremer ist ABBA Voyage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich gar keine Film-IP. Gerade deshalb finde ich es interessant. Musik, Figuren, Technologie und ein physischer Ort werden zu einem neuen Produkt. F\u00fcr das erste Jahr wurde eine zus\u00e4tzliche Bruttowertsch\u00f6pfung von 177,7 Millionen Pfund f\u00fcr die Londoner Wirtschaft errechnet; direkt und indirekt wurden mehr als 5.000 Arbeitspl\u00e4tze unterst\u00fctzt. Bis Ende 2024 waren rund drei Millionen Tickets verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die alten Songs waren vorher schon da. Die IP war da. Neu war die Welt, in die man sie gestellt hat. Und hier beginnt f\u00fcr mich die unangenehme Frage an unsere eigene Branche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum denken wir IP so nur h\u00e4ufig vom Werk aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht hat das weniger mit mangelnder Fantasie zu tun, als ich zun\u00e4chst dachte. Unser Produktionssystem ist darauf ausgerichtet, Projekte zu finanzieren. Film. Serie. Staffel. Sender. Plattform. F\u00f6rderung. Herstellungskosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann kommen die Rechte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer klassischen vollfinanzierten Auftragsproduktion tr\u00e4gt der Auftraggeber einen gro\u00dfen Teil des wirtschaftlichen Risikos und erh\u00e4lt daf\u00fcr weitreichende Nutzungsrechte. Das ist nachvollziehbar. F\u00fcr einen Produzenten ver\u00e4ndert es aber die wirtschaftliche Motivation, langfristig Kapital in eine Welt rund um eine IP zu investieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ku\u2019damm zeigt, dass es trotzdem geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es braucht Partner. Das britische System ist an dieser Stelle anders konstruiert. Die dortigen Terms of Trade haben unabh\u00e4ngigen Produzenten seit 2003 eine st\u00e4rkere Position beim langfristigen Besitz und der Verwertung ihrer IP gegeben. Der britische Produzentenverband Pact f\u00fchrt einen erheblichen Teil des Wachstums des Independent-Sektors auf diese Struktur zur\u00fcck. Der grunds\u00e4tzliche Unterschied im System ist nteressant und die Frage sei erlaubt &#8211; warum enden Fragen nach IP-Rechten in Produktionsfirmen sehr schnell beim &#8222;Die liegen beim Auftraggeber&#8220; &#8211; und warum will keiner mit den Auftraggebern sprechen? Machen sie es uns wirklich so schwer &#8211; oder ist es einfach bequemer, so lange im alen System zu bleiben, solange es noch funktioniert?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wer eine Storyworld besitzt oder besitzen k\u00f6nnte, denkt anders \u00fcber ihre Zukunft, als jemand, der f\u00fcr ihre Herstellung bezahlt wird. Vielleicht ist das eines unserer eigentlichen Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir reden \u00fcber IP. Aber wir finanzieren Werke. Keine Welten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und jetzt komme ich wieder zu den schwitzenden Harry Potters in Beijing. Vielleicht haben wir Lebenszeit in unserer Branche jahrelang zu billig bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Stream ist gro\u00dfartig skalierbar. Ein zus\u00e4tzlicher Zuschauer verursacht fast keine zus\u00e4tzlichen Kosten. Deshalb lieben wir Reichweite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Theaterabend ist furchtbar ineffizient. Menschen m\u00fcssen irgendwo hinfahren. Darsteller m\u00fcssen jeden Abend wieder auf die B\u00fchne. Jemand muss Licht machen. Jemand muss die T\u00fcr \u00f6ffnen. Irgendjemand verkauft in der Pause \u00fcberteuerte Getr\u00e4nke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau deshalb ist dieser Abend anders zu bewertende Lebenszeit. Er findet jetzt statt. F\u00fcr den Zuschauenden &#8211; und die Leute, die den Abend m\u00f6glich machen. Nicht morgen. Zumindest nicht in der immer gleichen Form.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann ihn nicht auf 1,5-facher Geschwindigkeit ansehen. Ich kann nicht gleichzeitig noch drei andere Theaterst\u00fccke \u00f6ffnen. Und neben mir sitzt ein anderer Mensch. Mit denen ich direkt danach noch reden kann \u2013 wenn ich das m\u00f6chte!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht bekommt genau diese Ineffizienz in einer Welt unbegrenzt verf\u00fcgbarer digitaler Inhalte pl\u00f6tzlich einen h\u00f6heren wirtschaftlichen Wert. Dann w\u00e4re die n\u00e4chste gro\u00dfe Chance f\u00fcr Filmproduzenten nicht zwingend noch mehr Bildschirmminuten herzustellen. Sondern Geschichten zu bauen, f\u00fcr die Menschen ihr Sofa verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hei\u00dft nicht, dass jede Serie jetzt einen Darkride braucht. Bitte nicht. Es hei\u00dft auch nicht, dass Deutschland zwanzig Freizeitparks bauen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">McKinseys Analyse finde ich gerade deshalb interessant, weil sie auf kleinere Formate verweist. Tempor\u00e4re Experiences. Regionale Installationen. Pop-ups. Immersive Shows. Formate, die mit wesentlich geringerem Kapital ausprobieren k\u00f6nnen, ob Menschen eine Welt tats\u00e4chlich betreten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht brauchen wir daf\u00fcr auch andere Produzenten. Menschen, die Film verstehen und gleichzeitig Live. Dramaturgie und Besucherstr\u00f6me. IP und Hospitality. Storytelling und Games. Produktion und R\u00e4ume. Ein bisschen Eigenwerbung kann an der Stelle ja nicht schaden &#8211; Ruft! Mich! An!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht entstehen genau dort Jobs, w\u00e4hrend wir an anderer Stelle gerade ziemlich verzweifelt dar\u00fcber diskutieren, welche Jobs KI in der klassischen Medienproduktion \u00fcberfl\u00fcssig machen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re zumindest einmal eine angenehm andere Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach fast 30 Jahren Filmproduktion habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, Menschen dazu zu bringen, Geschichten anzuschauen. Vielleicht beginnt gerade eine Zeit, in der wir sie wieder st\u00e4rker dazu bringen sollten, Geschichten zu erleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht als Ersatz f\u00fcr Film. Als n\u00e4chste Verwertungsebene einer guten Idee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Denn der knappste Rohstoff unserer Branche wird nicht Content sein. Davon werden wir eher zu viel haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es wird Lebenszeit sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht sollten wir deshalb aufh\u00f6ren, den Erfolg einer Geschichte nur daran zu messen, wie viele Menschen sie gesehen haben. Oder wie lang sie sie gesehen haben \u2013 was an sich eine absurde Diskussion ist \u2013 zu bemessen, ob 30 Minuten Sehzeit bei 90 Minuten Film ein Erfolg sind, ist nicht richtig: der Zuschauer hat faktisch abgeschaltet!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich interessiert zunehmend, was Menschen bereit sind, f\u00fcr eine Geschichte zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fahren sie daf\u00fcr nach Berlin? Nach M\u00fcnchen? Nach Stuttgart? Kaufen sie ein Ticket? Oder mehr Tickets? Treffen sie andere Menschen? Wollen sie Teil davon sein? Kommen sie wieder?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und stehen sie daf\u00fcr bei 35 Grad im Schatten in Beijing in einem schwarzen Hogwarts-Umhang vor einem Zug und wedeln mit einem Zauberstab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dann haben wir vielleicht etwas geschaffen, das wertvoller ist als eine weitere Stunde Watchtime. Wir haben einen Teil ihres Lebens zu einer Erinnerung gemacht. Und daf\u00fcr verlassen Menschen offenbar sogar freiwillig den Bildschirm.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stand im Juli in Beijing bei ungef\u00e4hr 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit, bei der man als Mitteleurop\u00e4er eigentlich nur noch dar\u00fcber nachdenkt, welche klimatisierten &hellip;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":9683,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[48],"tags":[],"class_list":["post-9682","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-perspektive"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9682"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9686,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9682\/revisions\/9686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9683"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}