{"id":9679,"date":"2026-08-17T08:04:21","date_gmt":"2026-08-17T08:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/marclepetit.com\/?p=9679"},"modified":"2026-08-17T08:04:21","modified_gmt":"2026-08-17T08:04:21","slug":"und-ich-dachte-das-waere-geklaert-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marclepetit.com\/en\/und-ich-dachte-das-waere-geklaert-teil-1\/","title":{"rendered":"Und ich dachte, das w\u00e4re gekl\u00e4rt &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4uft mir da tats\u00e4chlich gerade eine Tr\u00e4ne durchs Gesicht?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"461\" src=\"https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-1024x461.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9680\" srcset=\"https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-1024x461.jpeg 1024w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-300x135.jpeg 300w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-768x346.jpeg 768w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-1536x692.jpeg 1536w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-18x8.jpeg 18w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46-421x190.jpeg 421w, https:\/\/marclepetit.com\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/WhatsApp-Image-2026-08-17-at-09.57.46.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist Mai 2026. Ich bin 53, ein erwachsener Mann, der gerade eine Menge in seinem Leben ge\u00e4ndert und mindestens genauso viel neu verstanden hat. Und ich sitze da in einem Garten im Brandenburgischen \u2013 ich korrigiere: in MEINEM Garten im Brandenburgischen \u2013 und merke, dass mir eine Tr\u00e4ne durchs Gesicht l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag fing eigentlich ziemlich unspektakul\u00e4r an. Die Sonne scheint, der Kaffee schmeckt und ich setze mich um 9.30 Uhr ins Auto und fahre raus. Heute ist \u00dcbergabe. Nur mit dem Unterschied, dass mir diesmal kein Vermieter einen Schl\u00fcssel zur Wohnung gibt und erkl\u00e4rt, wo die Sicherungen sind. Mir werden die Schl\u00fcssel zu meinem Haus \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und danach geh\u00f6rt es mir. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin mit dem ziemlich klaren Wert aufgewachsen, dass ein eigenes Haus etwas Besonderes ist. Das muss man sich verdienen. Meine Eltern haben Mitte der Achtziger mit gro\u00dfem Stolz ihr erstes Haus gekauft. Ich ahne heute, dass sie deswegen wahrscheinlich auch einige schlaflose N\u00e4chte hatten. Finanzierung. Zukunft. Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ein Haus galt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich? Ich hatte eigentlich nie die gro\u00dfe Ambition, in dieses \u201eMein Haus, mein Baum, mein Kind\u201c-Game einzusteigen. Nicht mit 30. Und auch nicht mit 50. Ich war eher so generationsm\u00e4\u00dfig auf Krawall geb\u00fcrstet, dass ich die Bilder meiner Mutter \u2013 Gott hab sie selig \u2013 mit kleinen Babys auf dem Arm ziemlich konsequent ignorierte. Die Botschaft war nicht besonders subtil. Sie h\u00e4tte gerne einen Enkel oder eine Enkelin gehabt. Ich wollte sie trotzdem nicht h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit war \u201emein Kind\u201c schon mal raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann in den 90ern war ich dann bei irgendeiner Aktion dabei, bei der wir zig B\u00e4ume gepflanzt haben. Was soll ich sagen: Auch das f\u00fchlte sich seltsam an. Aber immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Baum: erledigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blieb das Haus. Und da griff bei mir immer eine wunderbare Mischung aus Existenzangst, \u201egegen alles sein\u201c und der latenten \u00dcberzeugung, dass ein eigenes Haus irgendwie spie\u00dfig ist. Vor allem aber: Ballast.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was, wenn morgen das Telefon klingelt und mir jemand einen gro\u00dfartigen Job irgendwo anbietet? Dann muss man doch flexibel sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Travel light.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur: Sind wir mal ehrlich. Passiert das wirklich? Ich habe in meinen 23 Jahren bei der UFA zig Anrufe von Headhuntern bekommen. Und keinen einzigen davon bis zum Ende verfolgt. Immer hat irgendetwas nicht gestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Job. Der Ort. Das Timing. Das Geld. Irgendwas. Vielleicht war die Wahrheit auch einfach: Es war bequem, wo ich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist schon interessant. Mehr als zwei Jahrzehnte beim selben Unternehmen arbeiten und sich gleichzeitig f\u00fcr einen Menschen halten, der unbedingt maximal flexibel bleiben muss. Vielleicht war dieses \u201eTravel light\u201c also weniger Gen X, als ich gerne behauptet habe. Vielleicht war es einfach meine Geschichte \u00fcber mich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fast forward, 2025.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mir ziemlich genau drei Objekte angeschaut. Ein Haus am Rand des Waldes in Belzig. Eine Wohnung im Industriegebiet von Moabit. Und ein Haus am Storkower Kanal. Das war es. Bei letzterem habe ich innerhalb von drei Wochen ein Angebot gemacht und es gekauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einfach so.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht mit dem Plan, sofort ganz aus Berlin rauszuziehen. Aber mit dem Plan, dort etwas zu haben, das bleibt. Ein Zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht falsch verstehen: Ich liebe mein Zuhause in Neuk\u00f6lln. Aber ich wei\u00df eben auch: Das hier ist nicht meins. Wenn ich hier neue Kacheln an die Wand klebe, muss ich sie irgendwann wieder abnehmen. Wenn ich das in meinem Haus mache, dann sind das meine Kacheln auf meiner Wand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt albern. Ist es wahrscheinlich auch. Aber mit jedem Tag, an dem einem bewusster wird, was man da eigentlich gemacht hat, werden zwei Dinge klar. Das wird bleiben. Und es wird sich mit mir ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich dort eine Wand rausnehme, ver\u00e4ndert das den Charakter des Hauses. Wenn ich einen Baum pflanze, steht der wahrscheinlich noch da, wenn ich l\u00e4ngst vergessen habe, warum ich ihn genau an diese Stelle gesetzt habe. Pl\u00f6tzlich bekommen W\u00e4nde, Gegenst\u00e4nde, B\u00e4ume, Geb\u00fcsche und sogar der verdammte Rasen Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wenn ich eine Sache in meinem Leben ziemlich erfolgreich vermieden habe, dann vielleicht genau das: Dingen \u2013 und leider zu oft auch Menschen &#8211; Bedeutung zu geben, obwohl man wei\u00df, dass man sie dann nicht mehr ganz so leicht hinter sich lassen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Travel light.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Freund aus England hat das einmal so genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich mochte diesen Gedanken. M\u00f6glichst wenig Ballast. Beweglich bleiben. Nicht zu viel besitzen. Sich nicht unn\u00f6tig festlegen. Und vielleicht galt das bei mir manchmal nicht nur f\u00fcr Wohnungen und Jobs. Vielleicht war die offene T\u00fcr gelegentlich wichtiger als der Raum, in dem ich gerade stand. Das klingt weniger cool als \u201eTravel light\u201c. Ist aber m\u00f6glicherweise ehrlicher. Und vielleicht kostet diese Form von Freiheit eben auch etwas. Nicht, weil Freiheit falsch w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern weil jede Entscheidung, alles m\u00f6glichst offen zu halten, gleichzeitig eine Entscheidung dagegen ist, irgendwo einen Haken zu setzen und zu sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier geh\u00f6re ich hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4ndert ein Haus das?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Haus ist ein Haus. Vier W\u00e4nde, ein Dach und, wie ich inzwischen wei\u00df, eine erstaunliche Anzahl von Dingen, f\u00fcr die pl\u00f6tzlich niemand au\u00dfer mir zust\u00e4ndig ist. Aber es hilft mir, etwas zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sa\u00df da in meinem Garten und verstand pl\u00f6tzlich meine Eltern etwas besser. Sie wollten ankommen. Ich verstand meine Kolleginnen und Kollegen besser \u2013 ein Haus, ein Kind, ver\u00e4ndert die Wahrnehmung und Verantwortung. Ich verstand Beziehungen besser \u2013 es geht nicht um den \u201eNestbau\u201c \u2013 es geht um gemeinsame Werte und vielleicht manchmal auch um ein \u201eThema im Haus\u201c, das vom Rest ablenken kann. Es geht um eine Haken \u2013 und zwar nicht an \u201emein Haus, mein Baum, mein Kind\u201c \u2013 sondern daran, dass man auch ein bisschen sagen kann, wohin man geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und m\u00f6glicherweise habe ich all die Jahre gegen die Form rebelliert und dabei \u00fcbersehen, dass ich das Bed\u00fcrfnis dahinter ziemlich gut kenne. Ich erinnere mich an die Blicke der Leute, denen ich von meiner Entscheidung erz\u00e4hlt habe. Interessanterweise war da wenig Sorge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel Respekt. Viel Freude. Viele Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und erstaunlich wenig: \u201eDu Spie\u00dfer.\u201c Das hat mich \u00fcberrascht. Und ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht auch deshalb, weil ich mit 53 pl\u00f6tzlich etwas getan hatte, von dem ich jahrzehntelang dachte, dass es \u00fcberhaupt nicht zu mir geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und jetzt sa\u00df ich da.In meinem Garten. Ich dachte dar\u00fcber nach, wie viele Freunde n\u00e4chstes Jahr hier zum Grillen kommen sollen. Wer mit mir in den Kanal springen wird. Wo alle sitzen. Was wir trinken. Wie lange die Abende werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und irgendwann dachte ich: Das ist sch\u00f6n. Einfach so.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einfach nur sch\u00f6n.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4uft mir da tats\u00e4chlich gerade eine Tr\u00e4ne durchs Gesicht? Es ist Mai 2026. 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