Posted on: April 19, 2020 Posted by: marcadmin Comments: 0

2002 klingelte irgendwann im Frühjahr mein Mobiltelefon. Die Frau meines Vaters meldete sich, mein Vater hatte Krebs. Irgendwas seltenes und eher etwas, was mit seinem Lebensstil zu tun hatte – und vor allem so, dass er schnell operiert werden musste. Es ging ihm den Umständen entsprechend – er konnte nicht sprechen eine zeitlang. Aber – er hat den Krebs besiegt.

Einen Westfalen bekommt man so schnell nicht unter. Es war komplex. Er lag im Krankenhaus, ich war mitten in meiner Diplomvorbereitung und er wollte, dass ich das durchziehe. Ich bin heute noch froh, dass er es so gut überstanden hat – aber wollte so eine Distanz nicht noch einmal erleben.

Jetzt – 2020.

Seit einigen Monaten wissen wir, dass mein Vater wieder einen Tumor hat. Andere Stelle, nicht minder doof. Er begann die Chemo Therapie und Bestrahlung und wir wollten uns danach sehen. Aber die Bestrahlung lief gut – und wir dachten, dass wir uns vor der Operation sicher noch sehen können, wollten eigentlich nach der Bestrahlung alle zusammen nach Frankreich.

Dann kam Corona – und mit Corona die Bitte: nicht mehr sehen, nicht mehr treffen. Wir haben guten Kontakt, telefonieren viel. Ich weiß, wie es ihm geht. Auch, wenn er es nicht zugibt – das Ganze macht ihm Angst. Heute wieder mit ihm geskyped. Er ist fit, aber ja, angespannt. Was kann ich tun – oder tu ich am meisten, wenn ich eben nichts tue? Es ist interessant, was das mit einem macht – wie kann man jemandem Kraft aus der Entfernung geben? Und was wäre anders, wenn ich in Köln bei ihm wäre?

Ich bin ein Großmaul und wer mich besser kennt, weiß: ich bin eigentlich immer ein Einzelkämpfer gewesen. Keine große Bindung, bis auf meinen Hund auch wenig Verantwortung um mich herum. Unabhängig. Aber erstaunlicherweise wäre es in erster Linie irgendwie besser für mich, in Köln gewesen zu sein. Mein Vater ist Westfale. Durch und durch. „Das Ding muss raus, das wird schon.“ Das ist seine Haltung. Und ich arbeite stark daran, das einfach zu akzeptieren und daran zu glauben. Denn die Kraft kann nur daraus kommen, dass ich das eben auch glaube und mit ihm daran festhalte.

Es war schön, ihn heute zu sehen. Auch aus der Entfernung. Aber die Umarmung musste ich ihm digital schicken.

Sie sagen #stayhomestaysafe – aber selten war es so schwer…

Morgen wird er operiert.

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