Posted on: April 3, 2020 Posted by: marcadmin Comments: 2

Wenn zu Beginn dieses Jahres jemand zu mir gekommen wäre und mir ein Drehbuch mit dem Titel „Der Virus“ vorgelegt hätte, dessen Inhalt nur in Ansätzen das gerade geschehene abbildet – ich hätte tendenziell gesagt „Mega“, was für eine düstere Geschichte, welch Phantasie – aber hätte auch nicht gewusst, wie ich das glaubwürdig verkaufen soll.

Jetzt gerade lerne ich viel. Über Pitches – Danke, Bild – über Dramaturgie – Danke, RKI – über Drama – Danke, Facebook und Instagram. Aber auch darüber, was Medien anrichten können – welche Macht sie haben. Und wo man einfach zweimal nachdenken sollte, bevor man – mal wieder – mit der Nachricht der erste ist.

Corona kann tödlich sein. Kein Zweifel. Es ist gefährlich. Für jeden. Dem Virus ist die „Zielgruppe“ egal – aber das Monster, das die Medien erschaffen haben – entspricht es der Realität? Ist es gesund, jedes Halbwissen für die Schlagzeile zu publizieren? Ist es gut, die Politik nicht vor die Wahl zu stellen – sondern sie zu zwingen, den Medien in gewisser Weise folgen zu müssen, da die öffentliche Meinung nichts anderes mehr zulässt?

Das wird kein „der Virus ist ungefährlich“ Monolog, keine Sorge – es wird nur die Anmerkung, dass wir als Medienmacher eine Verantwortung haben. Und wieder – nach Amok Läufen und Anschlägen – haben wir alles getan, wiederholend und dumpf halbe Wahrheiten, vor allem nur die „krassen“ Meinungen und die Headlines zu veröffentlichen, wenn sie noch schön warm waren – und nicht darüber nachzudenken, was passiert, auf welchen „Boden“ sie fallen werden und was sie bewirken können. Toilettenpapier und Nudeln? Maskendiebstahl? Wirklich? Muss das sein?

Ich bin seit drei Wochen zuhause – und verfolge unser Treiben interessiert. Verfolge Spiegel, Bild, Stern und Co. – und vermisse hier und da wirklich den Moment des Durchatmens. Selbst die Virologen sagen mittlerweile, dass man ihnen doch besser mal zuhören sollte. Die Diskussion, dass wir eine Ausgangssperre und geschlossene Schulen brauchen – fusst auf einem Kommentar, den Drosten laut eigenem Podcast zum Thema „Wie war es bei der spanischen Grippe?“ gemacht hat. Daraus wurde dann recht schnell ein „Virologen sagen“ – und danach Fakten. Gäbe es eine Alternative – wir hätten sie nicht mehr ausprobieren können.

Ich hoffe sehr, dass sich Politik, Medien und Medienmacher jetzt besser abstimmen, wenn es um den „Exit“ geht. Ich weiß, ein unpopuläres Wort. Aber wenn ich die Eltern, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Freunde höre, die alle wieder arbeiten wollen, bleibt die Frage doch nicht „wie lange sperren wir Euch noch ein?“ – sondern: was muss man mit all den Mitteln, mit all unserer Vernetzung, mit all unserem Engagement tun, damit wir bald wieder sicher da raus können – und Tätigkeiten nachgehen, die wir mögen. Ohne uns gegenseitig und andere zu gefährden.

Ich bin gespannt, wann diese Berichterstattung populär wird…

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  1. Innehalten und reflektieren, wäre es noch schneller, besser gegangen? Ich höre jetzt von Telefonkonferenzen, die keine Fahrtkosten verursachen, von digitalem Unterricht an Berufsschulen, Köche lassen sich filmen und erklären so den Auszubildenden, was zu tun ist. Ja, ohne dieses Virus wäre die Digitalisierung an den Schule nicht in den 3 Wochen so weit gekommen, toll oder! Wir Menschen fliegen nicht mehr geschäftlich heute nach Indien morgen nach Amerika, auch das schont Ressourcen und die Umwelt, gut so. Schneller, besser ist vorbei und wird hoffentlich im Exit auch nicht wieder neu aufgelegt. Die Zeit ist unser wichtigstes Gut neben der Gesundheit, sie ist auf Erden begrenzt. Ich habe gefühlt mehr Zeit durch das Virus und muss meine Werte hinterfragen? Ist es wirklich wichtig gewesen überall dabei zu sein, immer wieder etwas zu erzählen zu haben, was ich alles so tolles erlebt habe? oder ist es vielleicht auf Erden etwas ganz anderes, was zählt? Gemeinsam durch eine Krise gehen, die Menschen unterstützen , die jetzt an der Front in Pflegeberufen tätig sind, ein nettes Wort an der Kasse und einfach nur hinsehen. , zuhören und nicht urteilen,. Ich finde es toll, das die Ölfördermengen gesenkt, die Skipisten sich eine Saison erholen können und die Menschen einfach mal zum Umdenken gezwungen werden👍

    1. Die Zeit davor und die Zeit danach wird immer anders sein. Ob alles, was sich gerade ändert, gut ist? Ob Künstler sich hinterfragen sollten, ob sie wirklich Künstler bleiben wollen bei dem Risiko? Ob der Staat mehr Verantwortung übernehmen muss? Ob WIR mehr Verantwortung übernehmen müssen? Ich hoffe auf Letzteres – ahne aber, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Wenn es wieder geht, haben wir schnell vergessen, dass „weniger auch mehr“ war.

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